Ich heiße Dich willkommen

mit all deinen Freuden und Sorgen,
mit all deinen Unvollkommenheiten und Empfindlichkeiten,
mit all deiner Ungeduld, Unruhe und Langeweile,
mit deinen Ungereimtheiten,
mit all den Momenten, in denen du unzufrieden bist mit der Welt
und unzufrieden mit dir selbst.

Ich heiße dich willkommen
mit all deiner Sehnsucht und deinen Stärken
und all den Momenten, in denen dir die Kraft fehlt,
dein Leben voll anzunehmen,
mit all dem, das du an Gutem und Sinn in dieses Leben gibst
und all den Momenten, wo dir dieses Leben ungut und sinnlos vorkommt.

Ich heiße dich willkommen
mit all deiner Stärke von Achtsamkeit
und all den Momenten von Unachtsamkeit.

Diesen Text lasen wir als Einstimmung vor der letzten Verbundenheitsmeditation.
Ein Text aus dem Menla-Training.

Am Mittwoch. 12.02.2020 um 18 Uhr moderieren zwei Menschen der Stadtpraxis nach Sylvia Kolk die Verbundenheitsmeditation.

Newsletter zum Klima von Evolve

 

Die Klimakrise ist allgegenwärtig, fast schon ein Klischee. Aber was liegt unter ihrer Oberfläche? Gibt es Perspektiven, die hier einen neuen Blick erschließen, vielleicht auch einen Blick, der unsere übliche Sicht auf diese Krise infrage stellt? Wir haben in dieser Ausgabe von evolve versucht zu untersuchen, was die Klimakrise mit unserer Kultur und mit unserer Zivilisation zu tun hat. Denn, wenn wir beginnen, unsere tiefen kulturellen Gewohnheiten zu sehen, mit denen wir unsere Welt betrachten und mit denen wir unserem Planeten begegnen, dann werden überraschend neue Möglichkeiten sichtbar, miteinander und mit allen anderen Lebensformen der Erde zu leben. Das Wort Klimahysterie wurde ja zum Unwort des Jahres gewählt, aber was bedeutet es eigentlich, keine hysterische Reaktion auf den Klimanotstand zu haben? In meinem Leitartikel stelle ich eine vielleicht ungewöhnliche Frage: Kann der globale Kollaps, den wir gerade durchleben, für uns ein Lehrer sein? Und wenn ja, was will er/sie uns lehren?  Vielleicht drängt der Kollaps uns zu einem radikal neuen Verständnis, wer wir als Menschen eigentlich sind. 

Die Systemdenkerin Nora Bateson spricht in dieser Ausgabe von evolve davon, dass zu einer wirklichen Antwort auf die ökologische Krise auch nötig ist, unser Eingebundensein in vielfältige Lebensprozesse neu zu erkennen, ins Gespräch zu bringen und zu gestalten. Für Daniel Christian Wahl braucht diese Antwort mehr als die allgemein geforderte Nachhaltigkeit. Er spricht von neuen „regenerativen Kulturen“, die bereits am Entstehen sind, einem globalen Netzwerk regionaler Kulturen, in dem Menschen ihre Kreativität bewusst mit den lebensfördernden Kräften ihrer Regionen verbinden.

Joan Macy, die heute 90-jährige Mitbegründerin und Grand Dame der Tiefenökologie nennt die neue Qualität „mitempfindende Verbundenheit“. Es sind unsere Intimität mit dem Leben, unser Mitfühlen mit dem Schmerz der Erde und unsere tätige Hoffnung, die, so Joan Macy, zu einer neuen Integration von Mensch und Erde, Natur und Kultur führen werden.
Weitere Beiträge in der neuen evolve sind von und mit Timo Luthmann, der Aktivismus und Spiritualität verbindet, Karen O’Brian, Satish Kumar, der für eine „ehrerbietende Ökologie“ steht, Elizabeth Debold, Mike Kauschke, Nadja Rosmann und anderen. Einen ersten Einblick in evolve 25 geben das Inhaltsverzeichnis und das Editorial sowie ein Auszug aus meinem Leitartikel „Der globale Kollaps als unser Lehrer – auf dem Weg zu einem Homo interbeing„.

Es war uns von Anfang an klar, dass wir für die künstlerische Gestaltung dieser Ausgabe einen Land-Art Künstler suchen. Mit NILS-UDO ist es uns gelungen, einen der Pioniere und der wirklich großen Land-Art Künstler für uns zu gewinnen. Aufgewachsen auf dem Land, hat NILS-UDO schon früh prägende Erfahrungen mit der Natur gemacht. Nach einigen Jahren, in denen er sich in Paris der Malerei widmete, lebt er mittlerweile wieder in Oberbayern. Buchstäblich von einem Tag auf den anderen beschloss er, in die Natur zu gehen und mit und in ihr zu arbeiten. Die Natur selbst, so NILS-UDO, ist das Kunstwerk. 

Wenn du in den Dialog mit anderen evolve Leserinnen und Lesern eintreten und die Inspirationen der aktuellen Ausgabe des Magazins im gemeinsamen Gespräch verdichten möchtest, dann laden wir dich herzlich zu unseren evolve Salons ein. Sie finden in knapp 30 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz statt (hier mehr Infos und die aktuellen Termine).   

evolve Magazin für Bewusstsein und Kultur | emerge bewusstseinskultur e.V. kontakt@evolve-magazin.de   |  www.evolve-magazin.de  Kirchgartenstr. 3, 60439 Frankfurt

Spirituelle Ökologie: Links und Literatur

Eigentlich sind alle spirituellen Wege auch ökologische Wege – und umgekehrt. Oder?

Anbei eine kleine Liste von Projekten, Filmen und Büchern, die sich diesem Thema aktuell oder immer schon explizit widmen – schön wäre, wenn ihr die Liste über einen Kommentar erweitern würdet, denn diese Auswahl ist erstens minimalistisch und zweitens nur zufällig so, wie sie ist. DANKE.

Aktuelle Bücher und Links aus dem Sufismus:

  • Llewellyn Vaughan-Lee & Hilary Hart
    Das Heilige im Alltag wiederentdecken: spirituelle Ökologie in der Praxis
    Vorschläge von einfachen spirituellen Praktiken, die dazu dienen, unsere Verbindung zum Heiligen im tägliche Leben wiederherzustellen
    https://goldensufi.org/de/publications/buch/das-heilige-im-alltag-wieder-entdecken/
  • Llewellyn Vaughan-Lee
    Heilung für die Erde:
    Spirituelle Verantwortung in einer Zeit der globalen Krise
    https://goldensufi.org/de/publications/buch/heilung-fuer-die-erde/
  • LLewellyn Vaughan-Lee als Herausgeber
    Spirituelle Ökologie, Der Ruf der Erde,
    Sammelband mit Beiträgen von Thich Nhat Hanh, Joanna Macy, Richard Rohr, Oren Lyons, Vandana Shiva u.a. – Antworten von spirituellen Lehrern, Wissenschaftlern und indigenen Führern vieler verschiedener Traditionen auf den „Ruf der Erde“, die in Not ist.
    1. Aufl. 2015, ISBN 978-3-89060-654-5, Verlag Neue Erde

Verschiedene Artikel und Interviews zum Thema von LLewellyn Vaughan-Lee, Sufi-Lehrer, langjähriger spiritueller Leiter des Golden Sufi Center unter:
https://goldensufi.org/de/artikel-und-interviews/

Insbesondere:
Die Klimadebatte auf den heiligen Grund verlagern
https://goldensufi.org/de/die-klimadebatte-auf-heiligen-grund-verlagern/

Radikale Resilienz – eine innere Veränderung
https://goldensufi.org/de/radikale-resilienz-eine-innere-veraenderung/

Buddhistische Organisationen, Bücher und Videos

Bücher von Thich Nhat Hanh zum Thema:

„Wirkliche Veränderung wird nur dann geschehen, wenn wir uns in unseren Planeten verlieben. Nur die Liebe kann uns zeigen, in Harmonie mit der Natur und miteinander zu leben und uns von den zerstörerischen Auswirkungen der Umweltzerstörung und des Klimawandels retten.“

( Thich Nhat Hanh, zitiert in: Lewellyn Vaughan-Lee, Den Augenblick der Liebe leben, The Golden Sufi Center, http://goldensufi.org/de/den-augenblick-der-liebe-leben )   

 

MIT DER ERDE SITZEN

Meditieren für das (Über-Leben)

Sitze aufrecht entspannt, das Becken leicht nach vorne gekippt.

beide Füße ganz auf den Boden gestellt.

Wenn Du magst, kannst Du die Augen schließen oder

den Blick auf den Boden etwa einen Meter vor Dir richten.

Nimm Deinen Körper in seiner aufrecht sitzenden Position wahr.

Vielleicht spürst Du den Kontakt zur Erde an Deinen Fußsohlen

und das Gewicht Deines Körpers auf der Sitzfläche.

Die Erde trägt Dich, sie trägt das Gewicht Deines Körpers.

Die Erde trägt und erhält Dich, und Du erhältst diese Erde.

Die Erde nährt Dich: Alle Substanz, die Dein Körper zum Leben braucht,

bekommst Du von dieser Erde.

Und alle Substanz, die Du nicht mehr brauchst, gibst Du zurück.

Wenn Du einatmest, atmet die Erde aus.

Wenn Du ausatmest, atmet die Erde ein.

Alles, woraus Dein Körper besteht, stammt von dieser Erde.

Eines Tages wirst Du alles an sie zurückgeben,

damit daraus neues Leben entstehen kann.

Du bist ein Teil dieser Erde,

die Erde ist ein Teil von Dir.

Sitzen mit der Erde, atmen mit der Erde.

Mögen wir alle weise Entscheidungen treffen.

Text nach einer Vorlage von Extinction Rebellion „Standing With The Earth“

–  angepasst an das gemeinsame Sitzen in Stille.

Texte von Thich Nhat Hanh

Diese Texte haben wir bei den Meditationen am 20.09. teilweise zu Beginn gehört.

In jeder Person gibt es mindestens 3 Persönlichkeiten: Die Kämpferin, die Weise, die Künstlerin. Das ist wichtig. Die Künstlerin kann die Frische, den Sinn des Lebens, die Freude verkörpern; die Weise, die Ruhe, die Klarheit, die tiefe Einsicht und die Kämpferin ist die, die entschlossen voranschreitet. Wir sollten alle drei Persönlichkeiten in uns mobilisieren und keine sterben oder schwach werden lassen. Wenn sie Friedensaktivist, soziale Aktivistin sind (…), sollten Sie wissen, wie Sie diese drei Personen in sich kultivieren können. (…) Wir sollten uns nicht zu einsam fühlen. Die Versuchung ist immer da, die Versuchung zu verzweifeln. Aber wenn die Weise und die Künstlerin in uns lebendig sind, dann wird die Kämpferin die Richtung, die zu gehen ist, genau wissen.“

aus:Thich Nhat Hanh, Achtsam leben – wie geht das denn?, Berlin 2005, S. 37 +3)

Once we see that something needs to be done, we must take action. Seeing and action go together. Otherwise, what is the use of action?“

(aus: Thich Nhat Hanh: At home in the world, Berkeley 2016, S. 56)

Übersetzung:

„Sobald wir erkennen, dass etwas getan werden muß, müssen wir handeln. Sehen und Handeln müssen zusammengehen. Was sonst ist der Sinn des Erkennens?“